gregory seán sheehan
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Akkumulationen und Transformationen


Der besondere Torf der mir zur Verfügung stand, erwies sich als ein feuriges, expressives Medium das auf mich wie ein Katalysator wirkte und neue Vorstellungen und Eindrücke in Bewegung brachte.

Diese vielfältigen Eindrücke und Vorstellungen haben mich angespornt eine genauere Untersuchung dieses alltäglichen aber gleichzeitig auch komplexen Materials anzustellen.

Die Nachforschungen ergaben offensichtliches; Torf ist nicht einfach Torf! Dieses Material ist viel mehr als Brennstoff für das Feuer oder Dünger für den Garten. Die Abstammung dieses archaischen Materials geht sehr weiter zurück und ist viel facettenreicher als die menschliche Nutzungsbezeichnung. Diese Urstoffe sind Überreste von Bäumen, Insekten, Pflanzen, Tieren und ganzen Wäldern, begraben durch die Zeit und Repräsentant eines tausendjährigen Prozesses von Wachstum, Zerfall und Regeneration.

Der Torf mit dem ich arbeitet wurde in den Hochmooren von Irland gesammelt. Hochmoore sind nicht nur selbst regulierende Biotope und Überlebensräume für unzählige Lebewesen, sondern auch Naturlandschaft in seiner widerstandsfähigsten Instanz. Hochmoore sind hauptsächlich in den nördlicheren Hemisphären zu finden. Unbeschädigte selbstregulierende Hochmoore weisen eine Lebensdauer von bis zu zwölftausend Jahre nach.

» Torf spricht zu uns auf leise unaufdringliche Weise. Vieleicht um uns daran zu erinnern, dass wir verankert sind in einen Teil eines fein eingestellten, dynamischen, ökologischen Umfeldes «

Diese Überlegungen haben sich komplett mit meinen Betrachtungen, Nachforschungen und Spekulationen verwoben. Die daraus entstandenen Arbeiten stellen eine ausgeprägte und bemerkenswerte Sammlung von Werken dar. Die ökologischen und metaphorischen Eigenschaften dieses urzeitlichen Materials sind zahlreich — und komplimentieren all die anderen essenziellen Eigenschaften, die immer etwas außerhalb des Beschreibbaren liegen.

Formationen und Fundamente

Weil Torf nie ein traditionelles Malmaterial war, gab es keine Fachbücher oder gesammelte Erfahrungswerte als Referenz — gab es keine andere Alternative, als sich einem langjährigen Studium von Versuchen, Experimenten und Bewertungen der Materialien auszusetzen. Mit anderen Worten: Einen herausfordernden, komplexen und beanspruchenden Prozess von Versuch und Irrtum zu vollziehen.

Die allgemeine strukturelle Komposition meiner Arbeiten sind eher reduziert. Die Reduzierung wechselt zwischen horizontalen und vertikalen Bahnen und auf- und absteigenden Bewegungen. Diese Bahnen und Bewegungen sind oft kinetisch ineinander verwoben. Das Zusammenspiel wird in Bewegung gesetzt durch hoch verdünnte Lösungen.

Die Mehrzahl der Arbeiten sind horizontal strukturiert, dies als Referenz auf die schichtende Ansammlung meines Ausgangsmaterials. Der malerische Vorgang ist eher rhythmisch. Der vorher aufgetragene Torf dient als Fundament für die Interaktion von Farbe, Form unInhalt. Diese aufeinander bezogene Interaktion wird durch das Fließen und die Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft beeinflussund gesteuert.

In Übereinstimmung mit den Gesetzen der Schwerkraft entstehen komplexe, dicht gewebte Rinnsale aus Pigmentkaskaden die sich dem Fundament anpassen; die verborgene torfige Form wiedergebend. Die rhythmische Vitalität dieses Fliesens könnte man als hervorrufende Aspekte von Herkunft, Tiefe, Zeit, Wachstum- und Verwandlungsprozesse sehen.

Diese Arbeiten führen den Betrachter oft zu unbekannten Orten, auch dorthin wo Begriffe wie » Abstraktion « eine zunehmende Bedeutungsambivalenz aufweisen.
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Gregory Seán Sheehan wurde 1956 in Dublin, Irland, geboren. Nach einer graphischen Ausbildung in Dublin, arbeitet Sheehan drei Jahrzehnte in der Kommunikations-Branche als Graphic Designer, Illustrator und Art Director.

Seit 1981 lebt Gregory Sheehan in Niedersachsen, wo er als Graphic und Visual Artist tätig ist. 2001 entschied er, sich auf die künstlerische Seite seiner kreativen Arbeit, die für ihn von immer währender Bedeutung ist, zu konzentrieren. Sheehan ist mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten. Seine Arbeiten befinden sich in Privaten, sowie Corporate Sammlungen.
Dieses Video » Terra incognita « wurde als Begleitung zu einer Ausstellung gleichen Namens, die im Künstlerhaus Göttingen 2016 statt gefunden hat, zusammengestellt.